Wandern & Radfahren Genuss & Wein Wellness & Gesundheit Kunst & Kultur Familie & Kind Nürburgring

Wacholderwanderweg

Die Wacholderheiden prägten bis in 19te Jahrhundert die Eifellandschaften und waren Folge einer Übernutzung der Wälder.

Der Wacholderweg vermittelt detaillierte Informationen zur Entstehung und ökologischen Bedeutung von Wacholder- und Zwergstrauchheiden sowie Borstgrasrasen.

Wacholderwanderweg 1
  Interner Link zum Bild in Originalgröße
Diese Pflanzengesellschaften sind aus einer heute in Vergessenheit geratenen Form der Landnutzung hervorgegangen und prägten noch bis in das 19. Jahrhundert entscheidend das Bild der Eifellandschaft.
Durch die Aufgabe der alten Bewirtschaftung und die Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung sind diese Biotope heute überall bis auf wenige Restflächen in ihrem Bestand zurückgegangen.
Der Landkreis Ahrweiler besitzt jedoch noch einzelne geschlossene Wacholderheidevorkommen, so am Weiselstein bei Schalkenbach (Köhler- und Loheweg) und in der Umgebung der Gemeinde Heckenbach.
Der Wacholderweg führt entlang einiger dieser auch kulturhistorisch bedeutenden Landschaftselemente. Start und Ziel des Rundwanderweges ist der Gasthof Tannenberg in Niederheckenbach. Von hier hat man die Möglichkeit, eine große Runde (14 km) oder eine kleine Runde (11 km) zu wandern.
Wacholderwanderweg 2
  Interner Link zum Bild in Originalgröße
Beschreibung der Wacholderpflanze:
Der Wacholder ist eine sogenannte zweihäusige Pflanze. Darunter versteht man, dass männliche und weibliche Blüten nicht gemeinsam auf ein und derselben Pflanze vorkommen, sondern auf verschiedene Individuen verteilt sind. Die Blüten werden im Herbst in den Achsen der Nadeln angelegt. Im Mai bis Juni entwickeln sich daraus die nur 1/2 cm großen gelben Staubblüten, deren Pollen vom Wind auf die winzigen in den Nadelachsen sitzenden Fruchtblüten eines anderen Strauches übertragen werden. Nach der Befruchtung werden diese Fruchtblätter fleischig und verwachsen miteinander zu einem Beerenzapfen, der Wacholderbeere, in der drei holzige Samen heranreifen. Diese Wacholderbeere ist im Herbst des ersten Jahres noch grün. Im zweiten Jahr aber, entwickelt sie die charakteristische kugelige Gestalt mit der dunkelblauen Farbe. Somit können an einem Strauch jeweils zwei Generationen von Beeren heranreifen, grüne einjährige und blaue zweijährige. Eine weitere Besonderheit des Wacholders ist die Art, wie seine Samen verbreitet werden: Eine besonderer Vogelart, die Wacholderdrossel,
ernährt sich bevorzugt von den blauen Beeren. Die in den Beeren enthaltenen Samen können den Verdauungstrakt des Vogels nahezu ungehindert passieren und werden ausgeschieden. Sie brauchen dann wieder bis zu zwei Jahren, ehe sie zu keimen beginnen und ein neuer Wacholderstrauch aus ihnen hervorgehen kann.
Als Heilpflanze ist Wacholder bereits seit dem Mittelalter bekannt, wo man ihm magische Kräfte zuschrieb. So sollte das Holz böse Geister bannen, Ungeziefer und Schlangen vertreiben und vor Ansteckung schützen. Dies erklärt seine Verwendung beim Räuchern des Fleisches, in Räumen, in denen Verstorbene aufgebahrt wurden und in Pesthäusern. Der Schlaf unter einem Wacholderbaum galt als Quell neuer Lebenskraft. Unbestritten ist,
dass die Beeren, zerkaut, als Tee oder Wein eingenommen, anregend und belebend auf den Organismus wirken und besonders bei Magenschwäche, Leber- und Nierenleiden und bei rheumatischen Beschwerden Anwendung finden. Die Beeren werden darüber hinaus als Würzmittel und zur Herstellung von Wacholderschnaps verwendet. Neben den Früchten kann auch das Holz des Wacholders für Drechslerarbeiten genutzt werden.
Wacholderwanderweg 3
  Interner Link zum Bild in Originalgröße
Entstehung von Wacholder- und Zwergstrauchheiden
Die Wacholderheiden der Eifel sind allgemein aus einer Übernutzung der Wälder hervorgegangen. So verbrauchte die seit dem Mittelalter etablierte Eisenverhüttungsindustrie große Mengen an Holz zur Herstellung von Holzkohle. Es lag nahe, diesen Holzbedarf aus den ausgedehnten Eifelwäldern zu decken. Viele Holzkohlenmeiler auch im hiesigen Raum bezeugen die große Kohlennachfrage in dieser Zeit. Die ungehemmte Holzentnahme führte vielerorts zur Entstehung von ausgedehnten Kahl- und Ödlandflächen. Dem auf diese Weise bereits geschädigten Wald wurde zusätzlich noch durch die Entnahme von Brennholz stark zugesetzt. Auch die intensive Waldweidenutzung (hier besonders die Eckern- und Eichelmast von Schweineherden) und die Laubund Streusammlung schwächte den Wald so sehr, dass sich aus ihm schnell Ödland und Heideflächen entwickeln konnten. Zahlreiche Viehund Schafbauern nutzten diese Weideflächen, die Bauern rangen dem Boden durch die Schiffelwirtschaft eine kurzfristige Urbarmachung ab. Die Schiffelwirtschaft war in der gesamten Eifel seit dem 9. Jahrhundert eine besondere Form der Wald-Feld-Wechselwirtschaft, die maßgeblich zum Erhalt und der Ausweitung von Wacholder und Zwergstrauchheiden beigetragen hat. Auf einer zur Beackerung vorgesehenen Heidefläche erfolgte im Frühjahr das Abplaggen (= Abschiffeln) der Heide. Anschließend wurden die Heideplaggen verbrannt und die Asche im Herbst als Dünger ausgebracht. War zunächst noch der einjährige Anbau von Hafer auf den Flächen allgemein verbreitet, so entwickelten sich ab dem 13./14. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert weitere Nutzungsarten, die sich in den Fruchtfolgen und der jeweiligen Länge der Nutzungsdauer unterschieden. Im Landkreis Ahrweiler galt allgemein folgende Nutzungsform: Im ersten und zweiten Jahr wurde Roggen angebaut, im dritten Kartoffeln und Hafer im vierten und fünften Jahr. Danach war der Boden ausgelaugt und musste brachliegen. Über 12–15 Jahre in der sich die Heide entwickeln konnte, wurde das Land als Schafweide genutzt, bis man wieder mit dem Anbau von Getreide nach vorheriger Branddüngung beginnen konnte. Die zunehmende Ausweitung von Schiffelheiden, die als Weideland genutzt wurden, führte so bereits seit dem 14. Jahrhundert zu einem Anstieg in der Schafhaltung, ein Trend, der sich bis in das 19. Jahrhundert hinein
fortsetzte. Diese genannten Entwicklungen führten in der gesamten Eifel allmählich zur Entstehung von großen Heideflächen, die das Bild der Landschaft besonders im 19. und selbst zu Anfang des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt haben. Das Gemälde des Eifelmalers Fritz von Wille vermittelt hiervon noch heute einen lebendigen Eindruck. Der Kreis Ahrweiler besaß bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts noch ausgedehnte Heidelandschaften. Im Umfeld der Gemeinde Heckenbach waren dies insbesondere Gebiete am „Bockshahn“, „Düssel-“ und „Hühnerberg“ sowie „Wiwelsberg“.
Wacholderwanderweg 4
  Interner Link zum Bild in Originalgröße
Ökologie von Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen
Die bestimmenden Charakterarten der Borstgrasrasen sind u.a. Borstgras, Zweizahn, Aufrechtes Fingerkraut,
Harzer Labkraut und Gewöhnliches Kreuzblümchen. Zwergstrauchheiden entstehen auf trockenen bis mäßig feuchten Standorten, vor allem auf nährstoffarmen Sandböden und felsigen Bereichen, die durch eine geringe Humusauflage gekennzeichnet sind. Es sind Pflanzengesellschaften, in denen das Heidekraut (Calluna vulgaris) dominiert. Vor allem im Herbst verleiht die hellrosa bis violette Farbe der Blüten der Heide ihren unverwechselbaren und besonderen Charakter. Gleichzeitig mit der Heideentstehung wanderte auch der Wacholder ein, dessen Holz und Nadeln vom Weidevieh nicht verbissen wurden. Der Wacholder (Juniperus communis), dessen Name sich von „Wecholter“ einer Abwandlung des mittelhochdeutschen Begriffs quecholder ableitet, was soviel wie „lebensfrischer, immergrüner Baum“ bedeutet, prägt maßgeblich das Bild der Zwergstrauchheiden und Borstgrasrasen im Landkreis Ahrweiler. Er gehört nach seiner systematischen Stellung im Pflanzenreich zu den Zypressengewächsen, der bedeutendsten Familie aus der Klasse der Nadelgehölze oder Koniferen.