Die Geschichte des Bad Neuenahrer Heilwassers begann im Jahre 1852 mit der Erbohrung des Apollinarisbrunnens durch den Ahrweiler Winzer Georg Kreuzberg. Bereits im Jahre 1818 äußerte der damalige Kreisphysikus von Ahrweiler, Dr. Anton Velten, in einem Schreiben an die Regierung in Koblenz die Vermutung, daß sich in der "Gegend der Ahrmündung" zahlreiche Mineralquellen befinden. Hinweise sah er unter anderem darin, daß die Ahr auch in strengen Wintern unterhalb von Beul - dem Vorgänger von Bad Neuenahr - nicht zufriert und daß in zahlreiche Keller kohlensaures Gas einströmt. Damals gab es nur in Heppingen einen Brunnen mit Mineralwasser.
Lange Jahre blieb dieser Hinweis unbeachtet, bis schließlich ein Zufall zur Entdeckung der Heilquellen in Bad Neuenahr führte. Der langjährige Bad Neuenahrer Badearzt Dr. Weidgen schilderte dies in einem Aufsatz aus dem Jahre 1869 wie folgt: "In einem großen, schönen Weinberge zwischen den Dörfern Wadenheim und Heppingen verkümmerten auf einer begrenzten Stelle die Weinstöcke infolge starker
Kohlensäure-Exhalation aus dem Boden, wodurch der Weinberg viel an Ertrag und Schönheit einbüßte. Der Eigentümer, Herr Georg Kreuzberg, Weinhändler in Ahrweiler, versuchte diesem Übelstande durch Ableitung der Kohlensäure mittels eines Stollens abzuhelfen und entdeckte beim Graben eine starke Quelle säuerlichen Mineralwassers."
Die Analyse in Bonn ergab einen "vortrefflichen Säuerling" und Georg Kreuzberg gründete den Apollinarisbrunnen. Es folgten weitere Untersuchungen und Grabungen, bis schließlich im Jahre 1856 vier warme alkalische Mineralquellen mit Temperaturen bis zu 39 Grad im damaligen Dorf Beul gefunden wurden. Zwei Brunnen erwiesen sich als Nebenquellen, die beiden anderen erhielten die Namen Augusta- und Victoriaquelle. In den folgenden zwei Jahren wurden die Heilquellen auf ihre medizinische Wirkung untersucht und es ergaben sich die unterschiedlichsten Heilwirkungen. Am 28. Juli 1858 schließlich erfolgte die Eröffnung der Trinkhalle, womit die eigentliche Geschichte des Heilbades Bad Neuenahr begann. In diesem Jahr wurde auch die Aktiengesellschaft Bad Neuenahr gegründet, die auch heute noch als privater Träger die Geschicke des Heilbades leitet. Die erste Kursaison in Bad Neuenahr folgte am 31. Mai 1859. Die Zahl der ersten Kurgäste betrug damals 197.
Am 5. Oktober 1861 wurde der "Große Sprudel" erbohrt, 1907 kam dann der Willibrordus-Sprudel hinzu. Die Temperatur der beiden Brunnen betrug rund 35 Grad. Die Hauptbestandteile waren nach einer Analyse aus dem Jahr 1907 "doppeltkohlensaures Natron, Lithion, Ammonium, Kalk, Magnesia, Eisenoxydul, Natriumchlorid, Kaliumsulfat, Natriumsulfat, etwas Brom, Jod und freie Kohlensäure". Während für den "Großen Sprudel" lediglich 90 Meter tief gebohrt werden mußte, so liegt der Ursprung des Willibrordus-Sprudels in einer Tiefe von 377 Metern.
Beide Sprudel liegen lediglich zehn Meter auseinander, und trotz des Unterschiedes in der Tiefe haben beide eine nahezu identische Temperatur. Es handelt sich um warme, hauptsächlich hydrogencarbonatenthaltende alkalisch-erdige Quellen. Sie haben einen hohen Gehalt an natürlich gebundener Kohlensäure bis hin zum Übersättigungsgrad. Sie eignen sich besonders auch für eine Trinkkur. 1973 wurde mit der "Walburgis-Therme" der dritte Sprudel in einer Tiefe von 359 Metern erbohrt.
1908 schreiben Prof. Dr. L. Brieger, Leiter der Hydrotherapeutischen Anstalten der Universität Berlin, und Dr. Max Hirsch, Arzt in Bad Kudowa, anläßlich des 50jährigen Bestehens des Badeortes Bad Neuenahr: "Was den Kurort Neuenahr angeht, so haben die chemische Zusammensetzung und die Temperatur seiner Quellen sowie sein Klima und seine sorgfältig ausgesuchten künstlichen Kurmittel im Verein mit guten hygienischen Verhältnissen und vortrefflicher Ernährung es vermocht, ihm in auffallend kurzer Zeit eine hervorragende Stellung nicht nur unter den Kurorten, sondern der ganzen Welt zu verschaffen."
Das Bad Neuenahrer Heilwasser ist reich an natürlicher Kohlensäure und bindet daher auf seinem Weg durch das mineralreiche Gestein vulkanischen Ursprungs und durch seine natürliche Temperatur von 34 bis 41 Grad viele Mineralien und Spurenelemente. Getrunken fördert der Kohlendioxid-Gehalt des Wassers den Stoffwechsel. Sein hoher Gehalt an Hydrogencarbonat wirkt entzündungshemmend. Beim Bad kommt es durch die Wärme zu einer starken Mehrdurchblutung und Stoffwechselanregung. Die Gefäßerweiterung steigert nicht nur den Gewebsstoffwechsel, sie wirkt auch blutdrucksenkend. Die natürliche Wärme erhöht zudem auch den Bewegungsspielraum, lockert das Gewebe und entspannt die Muskulatur.
Das Bad Neuenahrer Mineralwasser hat den inzwischen weltweiten Ruf des Heilbades begründet. "Aus dieser Quelle trinkt die Welt" heißt nicht umsonst der Werbeslogan von Apollinaris, das sein Wasser aus den gleichen Quellen bezieht. Einen ganz besonderen Genuß können die Besucher Bad Neuenahrs auch in den AHR-THERMEN erleben, die mit quellfrischem und kristallklar gefiltertem Thermalwasser gefüllt sind.
Neben dem Thermalwasser ist der natürliche Eifelfango ein wichtiges ortsgebundenes Heilmittel von Bad Neuenahr. Es handelt sich dabei um eine Vulkanasche, die im Gebiet des Laacher Sees im Tagebau gewonnen wird. Der Eifelfango besteht hauptsächlich aus Kieselsäure und Aluminiumoxid und zeichnet sich durch seine außerordentliche Wärmekapazität und sein Wärmerückhaltevermögen aus.
Die wichtigsten Indikationen in Bad Neuenahr sind Diabetes mellitus, degenerative rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Herz- und Kreislauferkrankungen und Nierenerkrankungen.